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SPD fordert Rechtsanspruch auf Platz an Beruflichen Gymnasien

Veröffentlicht am 10.08.2010 in Wahlen

Eisenhardt: „Wenn die Landesregierung nichts tut, müssen das die Realschüler büßen“

Die SPD-Landtagsfraktion hatte die Landesregierung Anfang Juli gefragt, wie in diesem Jahr die Übergangsquoten an die Beruflichen Gymnasien im Kreis Rottweil aussehen. „Die nun vorliegende Antwort zeigt“, so der SPD-Kreisvorsitzende und Landtagskandidat Klaus Eisenhardt, „dass im Kreis Rottweil für derzeit 441 Bewerberinnen und Bewerber nur etwa 280 Plätze zur Verfügung stehen werden.“

Damit sind die Beruflichen Gymnasien im Kreis Rottweil massiv überbucht. „Opfer dieses Missverhältnisses“, so stellt Eisenhardt fest, „sind in der Regel die Realschüler“.
Nach aller Erfahrung bekommen zwar alle Schülerinnen und Schüler, die von einem Allgemeinbildenden Gymnasium kommen, einen Platz, für die Abgänger der Realschulen gibt es faktisch einen Numerus Clausus. Dessen genaue Höhe stehe zwar erst fest, wenn zu Beginn des Schuljahr klar ist, wie viele Bewerber endgültig abgelehnt werden müssen, fest steht aber dass die Schülerinnen und Schüler ihren Platz abhängig von ihrer Note in der Mittleren Reife bekommen.
Eisenhardt schließt sich deshalb der Forderung der SPD-Landtagsfraktion an, die künftig jedem zugangsberechtigten Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss gesetzlich einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einem Beruflichen Gymnasium garantieren will. „Die Chancengleichheit bleibt auf der Strecke, wenn vielen Bewerbern mit Realschulabschluss der Weg zur Allgemeinen Hochschulreife versperrt wird“, erklärt dazu Klaus Eisenhardt.
Landesweit haben sich nach Auskunft des Kultusministeriums für das kommende Schuljahr fast 27.000 zugangsberechtigte Schüler um einen Platz an einem der Beruflichen Gymnasien im Land beworben. Dazu zählen neben annähernd 2.600 Schülern aus den jetzigen Klassen 9 und 10 der Gymnasien auch nahezu 24.400 Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss, also nach Realschule, Werkrealschule oder zweijähriger Berufsfachschule. Dieser Nachfrage stehen jedoch nicht einmal 20.000 Plätze gegenüber. Auch die Situation im Kreis Rottweil sei nicht besser als im Landesdurchschnitt, so Eisenhardt. Daran änderten weder die von der Landesregierung neu eingerichteten Sozialwissenschaftlichen Gymnasien, die sich sofort einer großen Nachfrage ausgesetzt sahen, noch die Senkung des Klassenteilers im kommenden Schuljahr etwas. Zu den jetzigen 17.600 Plätzen in den Eingangsklassen an den Beruflichen Gymnasien sollen bei Berücksichtigung der von Wiederholern benötigten Kapazität voraussichtlich nur rund 1.500 neue Plätze hinzu kommen. „Das ist angesichts der Nachfrage lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein“, kommentiert Eisenhardt. Er fordert deshalb einen grundlegenden Richtungswechsel von der Landesregierung: „Die Landesregierung muss hier schnell und konsequent handeln, um die Probleme zu lösen“, meint der SPD Kreisvorsitzende. „Die Realschüler sind Opfer dieser Politik, die von der Landesregierung sehenden Auges in Kauf genommen werden.“

Eisenhardt kritisiert vor allem, dass das Land einerseits für seine Realschulen mit dem Hinweis auf gute schulische Anschlussmöglichkeiten werbe, andererseits aber viel zu wenig Plätze an Beruflichen Gymnasien zur Verfügung stelle. „Wir können es uns nicht leisten, motivierte Schulabgänger, die den Wunsch haben, die Hochschulreife zu erwerben, so im Regen stehen zu lassen. Unsere Unternehmen sind auf einen hochqualifizierten Nachwuchs angewiesen.“ Studien* zeigten nicht erst seit gestern, dass schon jetzt zigtausend Fach- und Führungskräfte fehlen würden, um Deutschland langfristig im Konzert der leistungsstärksten Nationen zu halten. Statt dessen müssten sich viele engagierte Schüler nach einer Absage demotiviert auf die Suche nach Alternativen machen.
Die SPD, so Eisenhardt, wolle die Landesregierung deshalb mit einer Gesetzesinitiative dazu zwingen, die Zahl der Klassen an den Beruflichen Gymnasien deutlich zu erhöhen und ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Es müsse für die betroffenen Schüler und deren Eltern Sicherheit hergestellt werden, dass mit dem Erreichen der Zugangsvoraussetzungen nach der Mittleren Reife auch das Abitur und damit die Hochschulzugangsberechtigung erlangt werden könne, schloss Eisenhardt
Voraussetzung für die Aufnahme in die Eingangsklasse der Beruflichen Gymnasien ist die Mittlere Reife. Für Realschüler, Werkrealschüler und Berufsfachschüler ist dabei ein Notendurchschnitt von mindestens 3,0 in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie der ersten Pflichtfremdsprache notwendig.

* Siehe dazu u.a. die beiden von McKinsey im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung durchgeführten Studien „Zukunftsvermögen Bildung“ und „Zukunftsfähig durch Bildung“:
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/20660.asp