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Handwerk: Umdenken ist notwendig

Veröffentlicht am 18.11.2018 in Allgemein

Der SPD-Kreisverband Rottweil hatte seine Mitglieder und Handwerker aus der Region zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema "Handwerk hat goldenen Boden – und keine Azubis" ins Foyer der Sulzer Stadthalle eingeladen.

Vorsitzender Torsten Stumpf begrüßte die Gäste, darunter den langjährigen Oberndorfer SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Kirschner. Als Moderatorin fungierte Oberstudiendirektorin Susanne Galla, die Leiterin der Ferdinand-von-Steinbeiß-Schule in Tuttlingen. Auf dem Podium nahmen zudem Platz: der Kreishandwerksmeister Andreas Frank, der Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbunds Peter Fischer und Berthold Kammerer, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag.

Um das Handwerk zu stärken, sei es unumgänglich, Nachwuchs zu finden, sagte Susanne Galla. Bei der beruflichen Ausbildung sei ein Rückgang zu erkennen, deshalb finde sie es gut, dass sich Handwerk, Gewerkschaften und Politik dieses Thema annehmen. Andreas Frank berichtete von seinen Erfahrungen von Ausbildungsmessen. Immer öfter würden Eltern ihren Kindern abraten, sich über Angebote im Handwerk zu informieren. Es heiße: "Du sollst es einmal besser haben."

Der Lösungsansatz der Gewerkschaften? Mit ein Grund sei die schlechtere Bezahlung, das sei ein Problem. In der Industrie seien die Mitarbeiter in Gewerkschaften organisiert, dadurch ließen sich Forderungen der Arbeitnehmer wie zum Beispiel Tariferhöhungen besser durchsetzen.

Auf die Frage, was die Politik tun könne, stellte Berthold Kammerer dar, dass der Landkreis die Berufsausbildung sehr unterstütze. Um die duale Ausbildung würde Deutschland wir in vielen Teilen der Welt beneidet. An den vier Berufsschulstandorten im Landkreis würden circa 5000 Schüler ausgebildet. Die Ausstattung der Schulen sei auf einem hohen Niveau.

Susanne Galla bestätigte die gute Ausstattung der beruflichen Schulen in den Kreisen Rottweil und Tuttlingen. Für Peter Fischer stellt sich die Frage, ob die Politik auf die Stimmen der Gewerkschaften und der Handwerkerschaften hört. Bei vielen Themen in der Vergangenheit, etwa bei der Privatisierung von Post und Gesundheitswesen sei immer wieder das "Haushaltsdenken" in den Vordergrund gestellt worden. Er hoffe, dass sich dieses Denken nicht auch auf die Bildungspolitik übertrage.

Berthold Kammerer sieht auch bei den Ausbildern eine Konkurrenz zwischen Handwerk und Industrie. Hier sei eine Abwanderung von guten Fachlehrern zu beobachten. Das Kündigen von Arbeitsverhältnissen zum Schuljahresende fördere nicht die Attraktivität einer Anstellung als Fachlehrer. Diese Umstände verringerten die Attraktivität der Ausbildung im Handwerk.

Ein ganz wichtiger Aspekt sei die Bezahlung sagte ein Zuhörer. Ein anderer wies auf die Vorteile des zweiten Bildungsweges hin, dabei sei der Auszubildende ab dem Beginn der Ausbildung sozial- und rentenversichert seien. Das zahle sich im Alter aus.

Zum Thema Berufsorientierung schlägt Berthold Kammerer vor, die Anzahl der Praktika zu erhöhen und in niederen Klassenstufen damit zu beginnen. Klaus Schätzle stellte dar, dass das Land für die Hochschulen jährlich drei Milliarden ausgebe, für die berufliche Bildung lediglich 50 Millionen, hier sollte auf eine Umverteilung hingearbeitet werden.

Für die jugendlichen Flüchtlinge, die sich in einer Berufsausbildung befänden, sollte Rechtssicherheit bestehen, damit sie nicht nach einem Jahr abgeschoben werden könnten.