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Toleranz statt Vielfalt?

Veröffentlicht am 21.12.2020 in Jusos in Aktion
 

Jusos diskutieren mit Alevitischer Jugend Villingen-Schwenningen

Sowohl für die Jusos im Kreis Rottweil als auch die Aleviten sind Toleranz und Vielfalt
zentrale Werte. Das hat sich bei einer Diskussion der Jusos im Kreis Rottweil mit Dünya
Tahta, der stellvertretenden Vorsitzenden der Alevitischen Jugend Villingen-Schwenningen
(BDAJ-VS), schnell herausgestellt.

Ausgangspunkt des Gesprächs war, dass der Bund der Alevitischen Jugend Deutschlands
(BDAJ) aus dem ökumenischen Kirchentag ausgetreten ist. In diesem Rahmen fand zur
Vorbereitung des Programmpunkts „Muslime und Christen“ ein digitaler Projekttag statt.
Hierbei zeigte sich, dass nicht alle beteiligten Gruppen für ein offenes und tolerantes
Miteinander ständen. Teilnehmer einiger Vereine stellten sich als Mitglieder von
Organisationen heraus, die vom Verfassungsschutz beobachtet wurden oder werden, da sie
rechtsgerichtete und türkisch nationalistische Ansichten vertreten. Weil die wiederholten
Beschwerden der Alevitischen Jugend von Seiten des Kirchentags ignoriert wurden und
dieser mit Verweis auf die Vielfalt an einer Teilnahme der entsprechenden Vereine festhielt,
trat der BDAJ aus diesem Format aus.
„Die Alevitische Gemeinde ist immer gerne bereit, mit muslimischen Vereinen in den Dialog
zu treten“, betont Dünya Tahta. Diese Gespräche sollten jedoch immer unter gegenseitigem
Respekt stattfinden. Sebastian Holzhauer, Zweitkandidat der SPD für die Landtagswahl und
Vorsitzender der Jusos im Kreis Rottweil, stellt klar: „Vielfalt ist immer wichtig und wir
stehen für ein offenes Miteinander ein, aber man muss dabei auch immer darauf bestehen,
dass diese Einstellungen und Werte auf Gegenseitigkeit beruhen“. Es sei natürlich nicht
immer einfach, politische und kulturelle Standpunkte von Vereinen festzustellen. Aber es sei
nichtsdestotrotz notwendig, um eine Zusammenarbeit auf gemeinsame Werte gründen zu
können. Tahta und Holzhauer betonen: „Es geht nicht darum, auf Vielfalt zu achten, ohne die
Positionen der Anderen zu hinterfragen, sondern um wirkliche Toleranz“.
Mit Ali Zarabi, stellvertretendem Vorsitzenden der Jusos im Kreis Rottweil, sprach Tahta
auch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Alevitentum und Islam. So gebe es
im Islam fünf Säulen, nach denen gläubige Muslime ihr Leben richten sollen, während es im
Alevitentum vier Tore und 40 Stufen gebe, die den Aleviten in ihrem religiösen Leben leiten.
Aufgrund der langen Verfolgung und Unterdrückung der Aleviten existierten keine heiligen
Bücher, die Glaubensinhalte wurden lediglich in Gedichten und Lieder überliefert.
Dünya Tahta betonte trotz des Austritts aus dem ökumenischen Kirchentag die gute
Zusammenarbeit mit der evangelischen und katholischen Kirche in Villingen-Schwenningen.
Es käme zu regelmäßigen Treffen, auch am Vespertag nähme diese teil. Im Namen der
Alevitischen Gemeinde Villingen-Schwenningen bedankte sie sich auch bei den Jusos für ihr
anhaltendes Engagement und die Unterstützung. „Wir treten beide für eine tolerante und

offene Gesellschaft ein. Aber auch in dieser endet die Freiheit und Offenheit dort, wo andere
diskriminiert und unterdrückt werden“, fassen Tahta und Holzhauer zusammen.