Ansgar Fehrenbacher Lauterbach - 08.05.2025. Das Forderungs-Bekenntnis „Nie wieder Krieg“ bröckelt immer mehr. Fast drei Generationen nach Kriegsende wird Krieg wieder als Möglichkeit der Politik gesehen. Kriegstüchtigkeit, Heldentum und Freiheitskampf werden als hehre gesellschaftliche Ziele angepriesen. Das ist falsch, sehr falsch, finde ich. Dies schreibt Ansgar Fehrenbacher in einem Meinungsbeitrag, den wir an dieser Stelle im Original veröffentlichen.
Geboren wurde ich 11 Jahre nach Kriegsende, erzogen von Eltern, die den Krieg erlebt haben, als Soldat oder in der Heimat. Spielzeugwaffen gab es bei uns nicht. Krieg ist das allerschrecklichste, was die Menschen sich antun können, war die eindringliche Botschaft an uns Kinder. Das habe ich verinnerlicht und kämpfe seit dem völkerrechtswidrigen Krieg in der Ukraine laut mit Worten für das „Nie wieder“. Ich stoße dabei sehr oft auf Unverständnis, ja auf heftige Ablehnung, wenn ich argumentiere, dass der Ukrainekrieg eine Vorgeschichte hat, dass Putin nicht „das Böse“ ist und Russland als Großmacht aus seiner Sicht durchaus nachvollziehbare Gründe für sein Verhalten haben könnte.
Nein, ich habe kein Verständnis für diesen Krieg. Ich bin fassungslos und wütend. Ich erwarte aber von der Politik und den Medien, dass sie sich nicht von solchen Gefühlen überwältigen lassen und politische Analyse durch Moral ersetzen. Leider erlebe ich das Gegenteil. Der Krieg kam nicht erst mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine nach Europa. Es gab den Bürgerkrieg bei der Auflösung von Jugoslawien und die völkerrechtswidrige Bombardierung Belgrads durch westliche NATO-Staaten. Es gab völkerrechtswidrige Grenzverschiebungen in Europa durch die Anerkennung des Kosovo um nur zwei Beispiele zu nennen, für die globale Westen eine eigene Wahrnehmung entwickelt hat. Gleiches gilt für die NATO-Osterweiterung und die Frage, ob dadurch möglicherweise die Sicherheitsinteressen Russlands berührt worden sein könnten.
Verständnis haben, nicht im Sinne von „rechtfertigen“, sondern von „verstehen“ ist die Grundlage jeglicher Diplomatie. Die verzerrte Wahrnehmung des Kontrahenten auf beiden Seiten eines Konflikts ist gefährlich, denn sie verkleinert die diplomatischen Spielräume, steht einem Interessenausgleich im Wege und macht die rasche Eskalation von Konflikten wahrscheinlicher. Es ist Aufgabe der Medien, auf eine Entemotionalisierung der öffentlichen Diskussion hinzuwirken und nicht Ängste zu schüren.
Ja, unsere freiheitliche Demokratie steht gerade unter Druck, aber sie ist stark. Unser Grundgesetz hat aus den Fehlern von Weimar gelernt und ist wehrhaft. Sie ermöglicht das Verbot einer Partei, wenn diese ihre verfassungsfeindliche Haltung in aktiv-kämpferischer, aggressiver Weise umsetzen will. Dies tut die AfD. Ein Verbot reicht aber nicht aus. Die Demokratie lebt von Voraussetzungen, die sie selber nicht schaffen kann. Die Demokratie braucht uns als aktive Bürger. Wir müssen uns erinnern, wie es war, in der Nazi-Zeit, in der Kriegszeit; wie durch Propaganda ein ganzes Volk kriegstüchtig gemacht wurde. „Nie wieder“ fordert aufmerksame und kritische Bürger:innen, die Propaganda von Nachrichten unterscheiden können und jedem widersprechen, der mit der AfD gemeinsame Sache machen will. Wehret den Anfängen!
Ansgar Leo Fehrenbacher
Rainlebühl 6
78730 Lauterbach, den 08.05.2025